Begegnung mit der Vergangenheit

Kopien nach alter Kunst

Wenig bekannt, aber bedeutsam: Alberto Giacometti kopierte immer wieder Werke aus der Kunstgeschichte. Dieses Buch versammelt die kurz vor seinem Tod verfassten Notes pour les copies. Ein Einblick in sein Schaffen.

 

 

Titelinformation

Alberto Giacometti. Mit einer Einführung von Luigi Carluccio und drei Briefen von Alberto Giacometti. Fotografien von Ernst Scheidegger

1. Auflage

, 1968

Gebunden

330 Seiten, 144 farbige Reproduktionen und 3 sw-Fotografien

21.5 x 25 cm

ISBN 978-3-85881-052-6

Erschienen im Verlag Ernst Scheidgger

Inhalt

Alberto Giacometti (1901–1966) hat seit seiner frühen Kindheit bedeutende Werke aus der Kunstgeschichte kopiert, entweder nach dem Original oder nach Reproduktionen. Er selbst hat diese Kopien 1965 zusammengetragen und in drei Notes pour les copies kommentiert. Damit gibt uns dieser grosse Künstler einen aussergewöhnlichen Einblick in seine Interessen und in seine Vorgehensweise. Denn: Alberto Giacometti wollte die Kunstwerke nicht einfach abzeichnen. Vielmehr ging es ihm um die darin fassbaren Energien und um seine Wahrnehmung ihrer Wirklichkeit. Kunstwerke leisteten dem von ihm so stark erlebten Hang zum Verschwinden mehr Widerstand als lebende Modelle – für Giacometti mit ein Grund, sich immer wieder mittels Bleistift oder Kugelschreiber an alter Kunst zu orientieren.
Auch wenn alle Kopien dieser Übersicht zeitlich weit auseinanderliegen und stilistisch völlig verschieden sind, haben sie etwas gemeinsam: Sie tragen unverwechselbar die Handschrift Alberto Giacomettis.

 

«Ich machte Kopien, noch ehe ich mich fragte, weshalb ich es tat – wahrscheinlich um meinen Vorlieben Gestalt zu geben.» Alberto Giacometti

Autoren & Herausgeber

Luigi Carluccio

(1911–1981), Kunstkritiker.

Alberto Giacometti

 (1901–1966), Bildhauer und Maler. Kunststudium an der École des Beaux-Arts und an der École des Arts Industrielles in Genf, ab 1922 an der Académie de la Grande Chaumière. Als Hauptwerke gelten die Femme cuillière (1926/27) oder L'Homme qui marche (1960). 1942–1945 Atelier in Genf, dann wieder in Paris. Regelmässige Rückkehr in seine Heimat Stampa und Maloja. 1962 Grosser Skulpturenpreis der Biennale in Venedig und umfassende Werkschau im Kunsthaus Zürich. 1965 Retrospektiven u.a. im New Yorker Museum of Modern Art und Gründung der Alberto Giacometti-Stiftung in Zürich.

Ernst Scheidegger

 (1923–2016). Frühe Tätigkeit als Fotograf für die Agentur Magnum. 1956/57 Unterricht mit Max Bill an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und in Ahmedabad (Indien) Aufbau einer Schule für Design. 1960–1988 Redaktor der Bildbeilage «Das Wochenende» der Neuen Zürcher Zeitung, Galerist und Dokumentarfilmer. 1962 Gründung des Verlags Ernst Scheidegger. 1997 zusammen mit Heiner Spiess Neugründung des Verlags unter dem Namen Verlag Scheidegger & Spiess.

Echo

«Dass Alberto Giacometti kopiert hat, war zwar dem engsten Freundeskreis bekannt; aber kaum jemand wusste Bescheid über die Leidenschaft, mit der er es tat, und über den Umfang des in sich geschlossenen Werks der Kopie innerhalb seines Œuvres. Das vorliegende Werk ist denn eine Überraschung für alle.» Richard Häsli, Neue Zürcher Zeitung

 

«Manchmal glaubt man, von einem grossen Künstler durch die Säle eines imaginären Museums geführt und auf Schönheiten und Feinheiten hingewiesen zu werden, für die unser Auge bis dahin blind war.» Manuel Gasser, du

 

«Es ist an der Zeit, dass uns diese Blätter zur Verfügung stehen. Sie sind doppelt wichtig. Zunächst helfen sie, Giacomettis Kunst auf dem Hintergrund dieses Umgangs mit der Vergangenheit zu sehen, und zum zweiten erweitern sie die Vorstellung von Giacometti in einem sehr wichtigen Punkte: sie stellen ihn eindeutig in einen kulturellen Zusammenhang. Als Künstler stand er durchaus in der Tradition, und die Kenntnis dieser Tradition gestattete es ihm überhaupt erst, die Reduktion der Welt und des Kunstwerks so weit zu treiben. Giacometti betrachtete diese Werke, die er im Laufe seines Lebens kopiert hat, sozusagen als natürlichen geistigen Besitz. Wir müssen künftig die Kenntnis von diesen Blättern der Interpretation zugrunde legen, denn hier hat Giacometti sein Weltbild mithilfe des imaginären Museums verraten. Er lässt sich durch die Meister vertreten.» Werner Spies, Frankfurter Allgemeine Zeitung